Luzia Syfrig

Mandatsführung, Treuhanddienst, Pro Senectute

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Es ist nicht zu unterschätzen, welchen intimen Einblick wir in das Leben einer fremden Person erhalten, indem wir ihre Einnahmen und Ausgaben abwickeln. Die Finanzen zeichnen auch Schicksale ab - gravierende Krankheiten, der frühe Verlust eines Partners oder den schweren Lebensstart als Verdingkind.

Luzia Syfrig

Mein Schreibtisch ist nie aufgeräumt. Immer geht es weiter, denn die Arbeit beim Treuhanddienst der Pro Senectute pendelt zwischen Fliessband und Auslegeordnung. Man muss diese Art von Arbeit mögen. Es hilft natürlich, in einem guten Team eingebunden zu sein. In Luzern sind drei weitere Personen mit der Mandatsführung beschäftigt, in Willisau sind es zwei. Derzeit führe ich mit meinem 60-Prozent Pensum 48 Mandate.

Unsere Kunden merken irgendwann, dass die ganze Bürokratie sie überfordert. Oft kommt es auch vor, dass die Angehörigen nicht mehr über Geld sprechen mögen und eine Abwicklung der Finanzen über unseren Treuhanddienst nahelegen.

Die Anmeldung bei uns ist grundsätzlich freiwillig. Anfänglich sind die meisten aber etwas skeptisch, wenn die Vollmachten auf uns überschrieben werden und alle Rechnungen über uns laufen.

Für unsere Kunden erstellen wir eine finanzielle Bestandsaufnahme mit Budget, wickeln den monatlichen Zahlungsverkehr ab, klären finanzielle Ansprüche ab und stehen im Austausch mit Versicherungen oder Behörden.

Ziel ist es, die finanzielle Situation zu stabilisieren und eine Massnahme der Erwachsenenschutzbehörde - auch nach Verlust der Urteilsfähigkeit - zu verhindern.

Die erste Zeit nach der Anmeldung ist meistens sehr intensiv. Wichtig ist, eine solide Auslegeordnung zu machen. Versicherungen, AHV, Ergänzungsleistungen, Heimrechnungen - alles müssen wir überprüfen und allenfalls rasch nachholen, wenn etwas verpasst wurde. Haben wir einmal den Überblick, so wird es einfacher.
Natürlich geht es bei unserer Arbeit im Kern darum, qualitativ hochwertige Arbeit zu leisten. Nicht weniger wichtig ist es aber, Sicherheit zu vermitteln und Vertrauen zu schaffen. Die Finanzen betreffen einen sehr heiklen Lebensbereich. Es ist nicht zu unterschätzen, welchen intimen Einblick wir in das Leben einer fremden Person erhalten, indem wir ihre Einnahmen und Ausgaben abwickeln. Die Finanzen zeichnen auch Schicksale ab - gravierende Krankheiten, der frühe Verlust eines Partners oder den schweren Lebensstart als Verdingkind. Die professionelle Abgrenzung ist dann wichtig; das habe ich als Sozialvorsteherin gelernt.

Weil fast nichts planbar ist, ist für mich das Jonglieren der Pendenzen das Wichtigste. Beispielsweise hat mich heute Vormittag Herr K. spontan im Büro besucht. Er war gerade in der Stadt und wollte wissen, wie es um seine Finanzen stehe. Solche Spontanbesuche kommen ab und zu vor.

Damit beim Jonglieren nichts durch die Finger geht, ist es wichtig, ein System zu haben. Ich gehe immer gleich vor. Wenn ich am Morgen im Büro ankomme, prüfe ich als erstes das E-Banking-Konto meiner Kunden. Falls genügend Geld auf dem Konto ist, zahle ich ausstehende Rechnungen.

Danach haben zwei Aufgaben Priorität: Erstens die Regelung und die Organisation der administrativen Aufgaben in Zusammenhang mit einem Todesfall und zweitens die Vorbereitung von Neuaufnahmen. Ist beides erledigt, so gehe ich einfach alphabetisch vor. Ich starte beim Dossier von Frau A. und arbeite mich stetig zu Herrn Z.. Ist Herr Z. erledigt, prüfe ich die Pendenzen von Frau A. und so weiter.

Wenn ich merke, dass ein Kunde jeden Monat mehr Geld ausgibt, als zur Verfügung steht, suche ich das Gespräch. Ziel ist dann ein Haushaltsbudget zu vereinbaren. Wird das Konto dennoch laufend überzogen, kann es schon vorkommen, dass ich Klartext spreche - manchmal fühle ich mich dabei wie eine Polizistin. Die meisten Kunden sind im Grossen und Ganzen aber sehr kooperativ.

Gespräch und Bild Michael Wicki

Kontakt

Pro Senectute Kanton Luzern
Bundesplatz 14
Postfach 3640
6002 Luzern
T 041 226 11 88

www.lu.pro-senectute.ch

Geschäftsleitung: Ruedi Fahrni